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Jugendliche in der Großstadt – zwischen Partywahn und Verständnissuche.

Viele Aspekte des Lebens in der Großstadt sind mehr oder weniger geprägt von Angst. Hier nicht hingehen, dort nicht einkaufen, seine Kinder nicht in die und die Gegend schicken, nachts aufpassen… Dabei ist gerade Deutschland trotz vieler Problemzonen im internationalen Vergleich sehr harmlos, was das Großstadtleben angeht.

Trotzdem: Als Eltern eines Großstadtjugendlichen hat man es nicht gerade leicht. Noch viel mehr als auf dem Dorf oder einer Kleinstadt ist der Pubertätszögling Einflüssen ausgesetzt, die vielem widersprechen, was zu Hause vermittelt wurde. Viele Eltern schwanken zwischen zwei Extremen: Die einen ziehen beim ersten Anzeichen sofort die Notbremse, die anderen setzen auf antiautoritäre Erziehung und mischen sich überhaupt nicht ein.

Meistens weiß man selbst nicht genau, welchen Einflüssen das eigene Kind so ausgesetzt ist. Meistens denkt man gar nicht mehr in „Einflüssen“, sondern nur noch in potentiellen „Gefahren“, eben weil man überhaupt keine Ahnung hat, was die Jugendlichen abends vorhaben. Die Parties und Clubs, die favorisiert werden, sind nicht die eigenen und sowieso sind Eltern meistens berufstätig und kennen sich in welcher „Szene“ auch immer nicht mehr wirklich aus.

Wie soll man also reagieren, wenn die 13jährige Tochter mit einem Minirock im Stil von Paris Hilton angetan Richtung Disco abzischen will, oder der 14jährige Sohn jeden Tag völlig bekifft von der Schule nach Hause kommt? Hausarrest? Das hält nicht lange vor. Mal laufen lassen? Das wäre unverantwortlich und dumm.

Man muss sich zuerst mal mit dem Thema auseinandersetzen. Die meisten Kinder reagieren auf autoritäres Nachfragen nicht sonderlich ehrlich: „Wo gehst du hin?“ „Nur zu Sandra, wir schauen Videos“, kommt Ihnen bekannt vor? Was nicht hilft: Bei Sandra anrufen, sobald zwei Stunden vergangen sind, und kontrollieren, ob die Story stimmt. Das zeigt dem Kind nur, dass Sie ihm keinen Schritt trauen. Beim nächsten Mal wird sich Sandras Schwester melden und die Geschichte bestätigen – gleichzeitig haben Sie als Eltern Vertrauen verloren. Auch wenn Sie dem Kind nicht trauen können – wenn das Kind das Gefühl hat, dass Sie es für einen guten Menschen halten, ist schon viel gewonnen.

Sie müssen sich außerdem damit abfinden, dass Sie nicht mehr wie früher alles bestimmen können. Lassen Sie in bestimmten Bereichen die Zügel locker, in Sachen Kleidung, Nahrung und Schlafgewohnheiten beispielsweise. Dafür verbitten Sie sich andere Dinge. Das funktioniert aber meistens nur noch zu Hause, außerhalb des Heims ist der Jugendliche außerhalb ihres Kontrollraumes. Wichtig: Wenn Sie etwas verbieten, informieren Sie sich vorher, wie realistisch es ist, dass das Verbot durchgehalten wird. „Du gehst nie mehr mit deinen Freunden weg“ ist Schwachsinn, auch wenn man es nur im Affekt sagt. „Ich verbiete dir, so rumzulaufen“ bringt auch wenig bis nichts. Schaffen Sie Zusagen, die Sie mit Restriktionen koppeln. „Wenn du um drei zurück bist, kannst du gehen.“ beispielsweise. Und ganz wichtig: Vergessen Sie nie, dem Kind viel Spaß zu wünschen und nach der Verhandlung über die Möglichkeiten zu signalisieren, dass alles klar ist.

Überhaupt kann man durch ein gesundes Miteinander zu Hause vieles ausgleichen, was den Jugendlichen in der Großstadt irritiert. Glauben Sie an sich, glauben Sie vor allem an Ihr Kind und bleiben Sie im Ernstfall hartnäckig.

Helena
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