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Nach dem Abitur die Hochzeit: Kann das funktionieren?

Im letzten Artikel schrieb ich über den richtigen Zeitpunkt, einen Heiratsantrag zu stellen. Doch was, wenn der richtige Zeitpunkt sich nur richtig anfühlt, aber es vielleicht nur für den Moment so ist?

Wovon ich rede, ist das sehr frühe Heiraten. Zwei Teenager, die sich in der siebten Klasse kennen lernen, blitzartig ineinander verlieben, es sogar ein paar Jährchen miteinander aushalten – haben oftmals schnell Flausen im Kopf.
Die ersten Jahre waren ja so einfach und außerdem sind wir alt genug, wichtige Entscheidungen selbst zu fällen.
So kann es schon mal vorkommen, dass zwei junge Menschen noch vor ihrem Abitur so schnell miteinander verheiratet sind, dass wir nicht bis drei zählen können.

Man weiß ja, wie das ist. Gerade im Abschlussprüfungsstress denkt man schon, man hätte die Weisheit mit dem sprichwörtlichen ,,Löffel gefressen“ (entschuldigt meine vulgäre Aussprache!). Man hat Erfahrungen gesammelt, schon einmal Sex gehabt und überhaupt wird man ja alles ganz anders, als die eigenen Eltern, machen. Also, weshalb denn dann nicht auch gleich heiraten?
Ganz einfach: Weil man in dem Alter eben keine Weisheit besitzt. Weil hier das Leben gerade erst anfängt. Weil man sich nur erwachsen fühlt, tatsächlich noch aber in den Windeln steckt.

Und weil man mit achtzehn einfach noch keine Vorstellung davon hat, wie lange ,,der Rest des Lebens“ sein kann. Länger als eine gefühlte Ewigkeit, wenn der Ehepartner zum ersten Mal fremd gegangen ist. Und noch weiter, wenn man sich auch mal neu verknallt, ohne dass man es provoziert oder gewollt hätte. Zweifel, Abschürfungen, Verletzungen und gemeinsam durchwanderte Täler – von all diesen schwierigen ,,Erwachsenensachen“ hat man in dem Alter keine Ahnung. Man hat nur so ein Gefühl, dass die ganze Welt einem zu Füßen liegt, dass man sie in die Hosentasche stecken und überall mit hin nehmen kann.

Tausend Träume und hundert Illusionen. Und das gepaart mit einer jugendlichen Liebe. Der Alltag kommt schneller, als einem lieb ist und erwachsen wird man leider auch viel rascher, als man wollte. Plötzlich sitzt man nebeneinander, liest die Zeitung und fragt sich mit klopfendem Herzen: War das schon alles? Irgendwie hatte man doch mehr erwartet, oder…? Und auf einmal, ganz leise, wird die bunteste und zauberhafteste Liebe aus dem Herzen getrieben, um Platz zu machen für das, was den Menschen seit jeher umtreibt: die Sehnsucht. Die Sehnsucht nach etwas ,,Größerem“. Nach etwas ,,Neuem“. Nach einem Abenteuer. Einem Sinn.

Und dann, dann beginnt erst die eigentliche Beziehung, das ernst gemeinte Miteinander, die tatsächliche Liebe, die so stark ist, dass man immer wieder zueinander sucht, sich findet, hält und auch mal in liebevoller Art loslässt, um den anderen auch wieder besuchen zu können. Die Liebe ist leider kein Fahrrad, auf das man aufsteigen und losfahren kann, nachdem man es auf bitterer Weise gelernt hat. Die Liebe ist wie ein Fahrrad, auf dem man aufsteigt und immer wieder von vorne lernen muss. So, als würde das Fahrrad sich in ein Neues verwandeln, nachdem man es nach einer langatmigen Tagestour zurück in den Keller gestellt hat. So, als würde man das Pedale treten immer wieder verlernen, als wäre man immer wieder drei Jahre alt.

Und was das eigentlich genau bedeutet, davon können diejenigen erzählen, die es dann tatsächlich zwanzig, dreißig oder gar vierzig (oder sogar noch länger?) Jahre miteinander ,,geschafft“ haben. Hier findet ihr einen Bericht über zwei Frauen, die es trotzdem ,,wagen“.

Helena
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