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Wenn die beste Freundin heiratet – wird dann alles anders?

Eine Woche noch! Und dann ist es endlich soweit: Meine beste Freundin heiratet. Ob dann alles anders sein wird?

,,Weißt du schon, wie du zur Feier kommst?“ Fragt meine beste Freundin mich und ist ganz rot vor Aufregung. ,,Natürlich weiß ich das. Ich nehme morgens einfach den ersten Zug.“
,,Wieso nicht einen Abend vorher den letzten?“
,,Ich muss noch auf eine Weihnachtsfeier.“
,,Wehe, du kommst nicht!“
,,Wieso sollte ich denn nicht?“
,,Ich kenn dich. Julia – das bedeutet Chaos.“
,,Dann nehm ich doch den letzten.“
,,Dann musst du aber schon um neun Uhr von der Feier weg und nach Hause. Obwohl mir das am liebsten wäre…“

Eine Woche vor dem Termin und sie ist ein nervöses Wrack. Solche Dialoge führen wir des Öfteren – dabei ist es natürlich gar kein Problem, zum Ziel zu kommen. Aufgeregt schreibt sie mir jeden Tag, ruft mich an und erinnert mich an dieses oder jenes. Eigentlich wäre das als Brautjungfer meine Aufgabe, aber sie hat keine schlaflosen Nächte mehr vor klopfendem Herzen.

Irgendwie ist es schon ein komisches Gefühl. Ich lernte sie vor genau zehn Jahren kennen. Ein vorlautes, freches Mädel mit blau-grün gefärbten Haaren trampelte barfuß und feixend in das Klassenzimmer. Ich hockte still und leise in mein Kämmerlein und war die ,,Neue“. Wir sahen uns an, wir waren das absolute Gegenteil voneinander und wir mochten uns sofort. Seitdem sind wir unzertrennlich. Beste Freundinnen. Sie hatte viele Freunde, eine ,,Beziehung“ nach der anderen. Kein Junge konnte sie festhalten. Sie schleifte mich von einer Party zur nächsten, war wild und ungezähmt und der loyalste, treueste Mensch, den man sich nur vorstellen konnte. Ihr eigenes Liebesleben kriegte sie nicht hin – also kümmerte sie sich um meines.
Es kam vor, dass sie morgens um drei meine schlafende Person weckte, ins Auto verfrachtete, mit mir schweigend zu einer Kneipe fuhr und mir dort ohne ein Wort einen Schnaps ausgab, den ich trinken musste.
Mit einem beduselten Kopf wurde ich anschließend zum Mann meiner Träume verfrachtet. Und dort morgens um vier aus dem Auto geschmissen. Sie klingelte noch für mich an der Tür und ward anschließend nicht mehr gesehen.

Wir haben allerhand zusammen durchgemacht. Natürlich haben wir uns auch mal gestritten, natürlich war nicht immer alles einfach. Aber irgendwann vor zwei Jahren hat sie sich verliebt und ihr Punkgörendasein an den Nagel gehängt. Und vor zwei Wochen eröffnete sie mir ganz unbekümmert: ,,Ach übrigens. Ich geh jetzt zum Standesamt, weil ich am 12.12. heiraten möchte.“
Zehn Jahre sind wir jetzt die besten Freundinnen. Und damals, als ich mit zwölf Jahren schwitzend und panisch im Klassenzimmer saß, da hätte ich mir nie träumen lassen, dass wir es so lange miteinander aushalten. Und dass ich mal ihre Brautjungfer sein könnte. Zehn Jahre später.

Mittlerweile bin ich auch aufgeregt. Wenigstens eine von uns darf sich jetzt ganz offiziell erwachsen nennen. Es heißt ja, dass danach nichts anders ist – das bestreite ich. Heiraten ist nämlich eine Entscheidung für ein ganz bestimmtes Leben. Es ist das Lebewohl zu einer reißerischen Jugend und es ist die Verabschiedung von einem kleinen Mädchen, das noch in sich selbst inne gewohnt hat. Verantwortung lässt grüßen. Natürlich hat die Entscheidung schon vor der Hochzeit stattgefunden, aber damit wird sie manestifiziert. Wird unausweichlich. Und jetzt, wo ich Brautjungfer sein muss, drängen sich auch mir bohrende Fragen auf: Ich seh ihre Mutter auf der Hochzeit schon auf mich zukommen, leicht lächelnd, und fragen: ,,Und Julia – wann ist es denn bei dir soweit? Willst du denn gar nicht heiraten?“ Schluck. Nee. Bisher wollte ich das nicht. Oder? Oder? Genau das ist es nämlich, wenn die beste Freundin heiratet. Man fragt sich plötzlich, ob man das nicht auch ,,mal“ will. Die Dinge, die bis eben noch so weit weg waren, sind plötzlich ganz nah, so greifbar, dass es fast schon weh tut. Irgendwie seltsam. Naja, aber wir sind ja auch keine zwanzig mehr… 😉

Helena
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