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Ehe und Partnerschaft im Alter: Im Zeichen des Wandels

Eine zweite Ehe im hohen Alter ist für viele Senioren eigentlich keine Option, selbst wenn sie in einer Partnerschaft leben, werden die Ringe nur selten getauscht. Ehe und Partnerschaft im gesellschaftlichen Wandel, wir haben die Trends untersucht.

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Ein merkwürdiger Trend geht um, viele Paare über 50 entscheiden sich, den Trauring nicht zu kaufen und die Hochzeit sein zu lassen. Gehört das Heiraten über 50 der Vergangenheit an?

In Amerika entscheiden die Finanzen über die Ehe im Alter

Zumindest in Amerika sind die Gründe für die stetig fallenden Zahlen an Heiraten über 50 leicht zu erklären und leider auch etwas demotivierend, denn die finanziellen Nachteile, die Senioren mit einer Heirat auf sich ziehen, sind gerade in einem Land, in dem die soziale Unterstützung zu wünschen übrig lässt, prekär. Selbst Renten für ehemalige Soldaten oder gar Berufsunfähigkeitsgelder können zwischen 50 und 61 gestrichen werden, sobald das Ja-Wort gegeben wurde, da ja der Partner angeblich für die betreffende Person sorgen kann. Unverheiratet und finanziell gesichert klingt da besser, als das „Ja, ich will“ mit lauter finanziellen Nachteilen.

Auch in Deutschland ist die Ehe ab 50 (in den meisten Fällen die Zweitehe, nach Scheidung, oft auch dem Tod des Partners), nicht mehr so populär, wie noch vor 10-15 Jahren, gerade im Alter zwischen 50 und 60 heiraten Senioren selten ein weiteres Mal, das hat aber nicht nur negative Gründe.

Früher waren alle einsamer

1998 zeigte eine Studie des statistischen Bundesamtes, dass bis zu 70% aller 80+ jährigen Frauen alleine lebten, auch die Diskrepanz zwischen verheirateten Männern und Frauen in dem Alter betrug 1997 fast 50%. Man kann es wohl vorwiegend am Sterbealter von Frauen und Männer ausmachen, selten heirateten Frauen nach dem Tod ihres Mannes ein zweites Mal, Männer neigen sogar dazu, sich nach dem Tod ihrer Frau zu isolieren und abzuschotten. Mittlerweile ist das jedoch nicht mehr ganz so, denn mit zunehmend finanzieller Stabilität und gesundheitlicher Vorteile werden auch die sozialen Kontakte außerhalb der Beziehung und Familie reger.

Das besagt auch eine Studie des deutschen Zentrums für Altersfragen, nach dem im Vergleich von nur einem Jahrzehnt die Kontakte außerhalb der Familie bis zu 10% angestiegen sind. Dabei haben Frauen mehr Bezugspersonen außerhalb der Familie, auf die sie sich verlassen können, im Durchschnitt also ca. 1/3 mehr, als Männer desselben Alters.

Gesellschaftswandel in der Beziehung

Wir schreiben also das Jahr 2011, eine uneheliche Beziehung nach der ersten, oftmals langen Ehe ist keine Seltenheit mehr, sondern setzt sich kräftiger durch. Das hängt damit zusammen, dass die Generation der heutigen 50+-Jährigen (also ab Baujahr 1960), bereits in einer Zeit aufgewachsen sind, in der sich die Partnerschafts-Rollen immer weiter und freier entwickelt haben. Sich neu entdecken oder die Liebe neu entdecken, aber auch neue Formen einer Beziehung auszuprobieren, das ist nicht mehr überzogene Romantik, sondern beschäftigt auch noch spät ins Alter hinein, wie sich beispielsweise auf der populären Senioren-Plattform platinnetz.de in diversen Artikeln über Partnerschaften nachlesen lässt. Der Senior von heute bleibt nicht in fest gefahrenen Rollen- und Beziehungsverhältnissen stecken, sondern lernt das Lieben neu.

Die Heiligkeit der Ehe der 50er und 60er Jahre ist lockerer geworden, vor allem aber hat sich ein Hang zur Lebensgemeinschaft entwickelt, da es auch viele Senioren angenehmer finden, mehr oder weniger selbstständig zu leben, also nicht zusammen zu ziehen. Gerade, weil man im Alter bestimmte Gewohnheiten hat, die sich nur schwer ändern lassen, ist es auch für die Partner angenehm, wenn sie sich nicht gegenseitig zwingen müssen, unnötige Kompromisse einzugehen, um zusammen zu leben.

Aber auch wenn man zusammen lebt, ist das meistens schon der größte Schritt, den man gehen möchte, gerade weil die Generation der Baby Boomer mit Scheidungen und Trennungen aufgewachsen ist und dadurch selten im hohen Alter noch in der ersten Ehe lebt, sind die Geburtsjahrgänge 1954-1958 bis zu 18% in Zweitehen oder einer unehelichen Partnerschaft.

Einer Studie des Deutschen Zentrums für Altersfragen nach sind die Zahlen der verheirateten Paare für 44-54 jährige von 1996 – 2008 gefallen (von 83% zu 70%), während die Zahl der unverheiratet Zusammenlebenden von 4% auf 8% gestiegen ist.

Zwar ist auch eine Folgeehe immer noch die populärste Wahl, findet man seinen (zweiten oder dritten) Traumpartner im Alter, aber die uneheliche Partnerschaft nimmt nicht nur aufgrund des gesellschaftlichen Wandels zu, sondern auch, weil die Individuen weniger in die Rollenverhältnisse gedrängt werden, so dass Frauen auch ohne Mann Ansehen haben und Männer auch ohne Frau ihr Abendessen auf den Tisch bekommen. Ob also Trauschein oder nicht, eine Umstellung zugunsten offener Strukturen und dadurch mehr Möglichkeiten, auch im Alter noch einmal das Liebesglück zu finden, kann nur begrüßt werden.

Helena
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