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G8: Grauen oder Segen?

Seit 2003 haben alle Bundesländer die Gymnasialzeit wieder von neun auf acht Jahre verkürzt und das sogenannte G8 eingeführt. Das verkürzte Abitur sollte eigentlich Vorteile bringen. Generalisierte Lerninhalte und ein schnellerer Eintritt in das Berufsleben sind die Hauptargumente für G8. Doch in der Praxis zeigt sich: Lehrer, Schüler und Eltern sind überfordert. Wie wirkt sich G8 auf das Leben der Gymnasiasten aus?

Zu viel für normale Schulen

Den Stoff aus neun Schuljahren innerhalb von acht lernen? Unmöglich! Trotzdem wurden die Lehrpläne nicht ausreichend gekürzt. Das Lernpensum für die Schüler ist deshalb schon in unteren Klassen enorm hoch. Sie lernen ab Klasse fünf zwei Fremdsprachen und haben bereits ab der Mittelstufe Nachmittagsunterricht. Das Prinzip einer Ganztagsschule, das G8 eigentlich unbedingt benötigt, wurde nur an den wenigsten Schulen umgesetzt. Cafeterien oder Mensen sind nur sporadisch eingerichtet. Gesonderte Übungsphasen für den Lernstoff während der regulären Schulzeit finden nicht statt und kreative Fächer wie Kunst, Musik oder auch Sport werden vernachlässigt.

Lernen, lernen, lernen

Die Schüler werden auf Leistung getrimmt. Mit Spaß am Lernen hat das wenig zu tun. Gleichzeitig kommen Hobbys viel zu kurz. Nach der Schule, die bis in den Nachmittag hinein geht, müssen noch Hausaufgaben erledigt und Tests vorbereitet werden. Viele Schüler nehmen bereits in jungen Jahren Nachhilfe, obwohl sie nicht versetzungsgefährdet sind. Doch auch die Lehrer haben Schwierigkeiten den umfassenden Stoff angemessen zu vermitteln. Falls zwischendurch doch eine Trainingseinheit oder eine Musikstunde absolviert wird, trifft sich die Familie erst am Abend. Erst dann können Eltern mit ihren Kindern den Tag besprechen, Sorgen und Probleme klären.

Freizeit? Fehlanzeige!

Doch viele Kinder schaffen es nicht einmal mehr, ihr geliebtes Hobby auszuleben oder sich regelmäßig mit Freunden zu verabreden. Die Schule ist durch G8 zum Lebensmittelpunkt geworden und erfordert alle Aufmerksamkeit. Dabei sind sportliche und kreative Hobbys für die Entwicklung genauso wichtig wie die Schulbildung. Sport vermittelt informelle Bildung: Werte wie Freiwilligkeit, Engagement und Teamgeist lassen sich nicht mit einem starren Lehrplan lehren. Bei kreativen und musischen Freizeitaktivitäten können sich Schüler zudem auf eine ganz andere Art entfalten als bei Mathe, Französisch oder Geschichte. Hier entwickeln sie kreatives Potential, das bei vielen zukünftigen Arbeitgebern mindestens genauso wichtig ist, wie gute Fachkenntnisse.

Was muss passieren?

Damit das Turbo-Abi G8 auch funktioniert, sollten die Lerninhalte weiter angepasst werden. Die Schüler benötigen mehr Zeit zum Wiederholen und Üben, aber auch zum Toben und Spaß haben. Kooperationen zwischen Schulen und Musikschulen sowie Vereinen sind denkbar, um alle Bildungseinheiten sinnvoll in einem Ganztagskonzept zu vereinen. So könnte auch das Wochenende wieder den Familien gehören und müsste nicht nur mit Lernen und Sportveranstaltungen verbracht werden, wofür sonst keine Zeit zur Verfügung steht.


Img: Thinkstock, sb10069478bd, Digital Vision, Jetta Productions

Helena
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