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Verheiratet. Und nun?

Wer heiratet, beginnt ein neues Leben. Plötzlich ist alles anders?

,,Der Mensch ist eine Insel.“ – Diese Aussage hätte von mir stammen können. Ich war perfekt in meinem Single-Haushalt eingerichtet, ich konnte tun und lassen, schalten und walten, wie ich wollte, ohne dass es irgendwen interessiert hätte. Meine Mal-Utensilien auf dem Boden verteilen, mit bemalten Jeans herum laufen, Socken auf dem Sofa liegen lassen oder den ganzen Tag faul im Bett herum fläzen. Ich habe es geliebt. Und die Vorstellung, all das zu teilen – und dann auch noch für den ganzen Rest meines Lebens fand ich eher beängstigend.

Heiraten ist irgendwie diese klebrig-romantische Vorstellung in unseren Klein-Mädchen-Köpfen, die unsere Herzen höher schlagen lässt. Aber eigentlich ist nur der Tag selber und das damit zusammen hängende Versprechen romantisch. Doch wie ist das tatsächlich, der nächste Morgen nach dem rauschhaften Fest, wenn man die Augen aufschlägt und sich plötzlich im sicheren Ehehafen wiederfindet, von dem man weiß, dass das Schiff ihn nie wieder verlassen und dem endlosen Horizont entgegen segeln wird? Ich stelle mir das so vor: panisches Herzklopfen, dann Atemnot und dann: ,,Schatz, äh, ich mach mal Kaffee. Willst du auch?“

Tatsächlich wird man ab sofort auch die Socken des Partners einsammeln, ihn streng aus dem Bett befördern und mit ihm den Alltag planen. Wir wissen: Das wird nicht immer einfach. Und: Weglaufen gilt nicht. Das ist einerseits zwar sehr schön, aber es bedeutet auch, dass die normale Beziehung keine normale mehr ist. Denn plötzlich hat man auch Verantwortung für diese. Und für den anderen! Man hat ihm etwas sehr wichtiges und wertvolles versprochen, das sollte man niemals leichtfertig abhandeln. Vor allen Dingen beinhaltet das mehr als nur die Liebe zueinander, es bedeutet, diese Liebe zu pflegen, sie zu hegen und nach ihr zu suchen, falls sie einmal verloren gehen sollte.

Es wird Zeiten geben, in denen wir das Projekt ,,Ehe“ am liebsten über den Haufen schmeißen und mit dem netten Arbeitskollegen Paolo in eine zwielichtige Hotel-Absteige flüchten möchten. Sex ist im Grunde genommen nur noch Onanie und überhaupt: Nie räumt der seine Socken weg, Herrgott nochmal!
Das ist der graue Alltag, der sich an der Farbe der Liebe nährt. Aber Liebe ist eben mehr, sie ist eben die tiefe Bejahung des anderen Menschen. Und die tiefe Verbundenheit zu ihm.
All solche Gedanken sind in einer lockeren Beziehung nicht wichtig, denn man hat dem anderen nichts in dem Sinne versprochen, außer der netten Zeit, die man gerade hat. Und eine Ehe ist eben das Flüchten auf eine Insel zu zweit 😉 .

Und nach zwanzig Jahren, wenn die eigene Tochter endlich unter Dach und Fach ist und heiratet, spielt die Hochzeitsband euer Lied, euren gemeinsamen Song, und wie ihr so selbstvergessen auf der Tanzfläche lächelnd dahin gleitet, ist es wie damals: Das Herz klopft, die Augen leuchten und neben der Liebe seid ihr noch einmal so verliebt wie am ersten Tag und ihr wisst: Diese Reise hat sich gelohnt und findet glücklicherweise kein Ende – trotz anfänglicher Atemnot 🙂 .

Helena
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