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Welche Frühförderung ist sinnvoll?

In unserer Gesellschaft wird der Leistungsdruck immer größer. Selbstoptimierung ist die Antwort darauf. Jeder sollte demnach möglichst viele unterschiedliche Kompetenzen erlernen oder Idealen entsprechen, um auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein.
Vermehrt übertragen Eltern das auch auf ihre Kinder. Musikalische Früherziehung oder Sprachkurse bereits für drei Monate alte Kinder sind das Ergebnis. Und das unter der Rubrik „Frühförderung“.

Doch was verbirgt sich wirklich hinter dem Begriff und wann wird aus Förderung Überforderung?

Was bedeutet Frühförderung und für wen ist sie gedacht

Unter Frühförderung verstehen sich zunächst oft PEKiP-Kurse. Das Prager-Eltern-Kind-Programm ist ein Gruppenarbeitskonzept für Eltern mit ihren Kindern im ersten Lebensjahr. Zur Frühforderung werden auch Babyschwimmen oder Baby- und Krabbelgruppen gezählt. Obwohl das nicht den Kern des Begriffs trifft. Zwar bringt man damit den Säugling in soziale Gruppen, lässt ihm Zeit, Dinge zu erfahren, doch es handelt sich meist um gesunde, altersgemäß entwickelte Kinder. Ihre Eltern wollen ihnen etwas Gutes tun und positive Erfahrungen früh erleben lassen.

Die therapeutisch oder medizinisch begleitete Frühförderung ist für Kinder konzipiert, die entweder hochbegabt oder in ihrer Entwicklung beeinträchtigt sind. Es geht prinzipiell um eine Hilfestellung für das einzelne Kind, je nach Stärken und Schwächen. Dabei ist es egal, ob diese körperlicher, geistiger oder seelischer Natur sind.

Eine angemessene Förderung für Kinder, ob hochbegabt, entwicklungsverzögert oder altersgerecht entwickelt, ist wichtig.

Was wird gefördert?

Für Kinder mit Defiziten ist die Frühförderung – meist mit Unterstützung von Pädagogen, Logopäden, Physio- wie Ergotherapeuten oder Ärzten – genau auf sie abgestimmt. So kann Grob- und Feinmotorik, die Sprachentwicklung oder das Sozialverhalten im Fokus stehen. Hochbegabte stehen besondere Lernangebote zur Verfügung, die in den unterschiedlichen Bereichen wie Naturwissenschaften oder Musik speziell auf sie ausgerichtet sind und Anreize für die Weiterentwicklung bieten.

Im Unterschied zu dieser gezielten Förderung von Stärken und Schwächen steht die elterngeleitete Frühförderung. Sie allein entscheiden, womit ihr Kind in Kontakt kommt: Ob es eine Fremdsprache ist oder das Erleben eines Instruments.

Was die Frühförderung nicht kann

Bei all den gutgemeinten Bemühungen der Eltern sollten die Wünsche und Bedürfnisse des Nachwuchses nicht außer Acht gelassen werden. Absprachen oder genaues Hinsehen, ob die Förderung ankommt, sind das A und O.

Zudem wird aus Förderung schnell Überforderung, gerade wenn das Kind jeden Tag ein straffes Programm zu bewältigen hat. Außerdem geht es stets nur um eine Kompetenz. Die Entwicklung der Basiskompetenzen wie

  • Wahrnehmung,
  • Bewegung,
  • Denken und
  • Empathie

könnten darunter leiden.

Das Spiel mit anderen Kindern ist deswegen unerlässlich, um auch das Sozialverhalten und die Motorik zu schulen. Ebenso steht es um Freiräume, ein Kind Dinge ausprobieren und es Grenzen testen zu lassen. Balanciert es beispielsweise das erste Mal, ist der Absturz fast sicher. Verletzungen dabei können vorgebeugt werden, wenn man auf Armlänge mitgeht und notfalls den Sturz abbremst. Das Kind lernt, Neues auszuprobieren, sich etwas zuzutrauen, aber auch abzuwägen, weil es bereits  Erfahrungen gesammelt hat. Ermutigen die Eltern nach der Bauchlandung zu einem neuen Versuch, schult das die Beharrlichkeit. Es braucht also nicht unbedingt viel für die (Früh-)Förderung. Denn Kind-sein bedeutet doch vor allem Freisein.

Viel Spaß zusammen!


Bild: Pixabay, 606080, allegralchaple0

Helena
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